Der Letzte, der geht

Das Büro war um 21 Uhr totenstill. Ich war geblieben, um eine Tabelle fertigzustellen, die ich im Schlaf hätte machen können, aber die Wahrheit war einfacher: Ich wollte hier sein. Jennifer war seit dem Mittagessen in ihrem Eckbüro, die Tür halb geschlossen, und jedes Mal, wenn ich aufsah, fing ich ihre Silhouette ein, die sich hinter dem Milchglas bewegte.
Ich hörte ihre Absätze, bevor ich sie sah. Ein langsames, bedächtiges Klicken auf dem polierten Boden, das genau am Eingang meines Kubikels stoppte.
Jennifer: „Immer noch da?“
Ich sah auf. Sie lehnte am Rahmen, die Arme verschränkt, der anthrazitfarbene Blazer um ihre Schultern geschlungen. Ihr dunkles Haar war offen, ein wenig zerzaust, als hätte sie immer wieder mit den Fingern hindurchgefahren. Sie sah müde aus. Sie sah hungrig aus.
Ich: „Bin gleich fertig. Du auch?“
Jennifer: „Mm. Papierkram hört nie auf.“ Ihre Augen wanderten langsam über meine Brust, dann wieder hoch. „Willst du einen Drink? Ich habe eine Flasche in meinem Büro.“
Ich hätte Nein sagen sollen. Ich hätte meine Tasche packen und gehen sollen. Aber die Art, wie sie es sagte – als wüsste sie bereits meine Antwort – ließ meinen Mund austrocknen.
Ich: „Klar.“
Sie lächelte, nur ein Aufblitzen, und drehte sich um. Ich sah ihr nach, wie sie zu ihrem Büro zurückging, der Schwung ihres Rocks hypnotisch, und ich wusste, dass ich so schnell nicht gehen würde.

