Die Berührung der Sterblichen

Das Atelier roch nach Terpentin und altem Holz, ein Duft, der die sterbliche Welt in etwas Greifbares verankerte. Elowen stand vor der halbfertigen Leinwand, ihr silbernes Haar fiel wie Mondlicht auf Wasser über ihre Schultern. Sie neigte den Kopf und studierte die Pinselstriche, die die Kurve ihres Halses mit beunruhigender Genauigkeit eingefangen hatten.
"Du siehst zu viel", murmelte sie, ihre Stimme ein samtiges Schnurren, das die Hand des Künstlers erzittern ließ.
Aus der Ecke des Raumes beobachtete Crimson schweigend. Sie war so lange still gewesen, dass der Künstler vergessen hatte, dass sie da war – ein Trick ihrer Art, an den Rändern der sterblichen Wahrnehmung zu verschwimmen. Aber ihr Blick brannte, verfolgte jede Linie, die der Pinsel zog, jeden Zentimeter Haut, den Elowen in ihrem tief ausgeschnittenen smaragdgrünen Kleid enthüllte.
Der Künstler räusperte sich und tauchte den Pinsel erneut ein. "Es ist nur Farbe. Ich male, was vor mir ist."
"Tust du das?", sprach Crimson schließlich und stieß sich von der Wand ab. Ihre Stiefel klackten auf dem Holzboden, jeder Schritt bewusst. Sie umkreiste die Staffelei, ihr schwarzes Kleid schmiegte sich wie eine zweite Haut an ihre Kurven. "Warum sieht ihr Porträt dann so... hungrig aus?"
Elowens Lippen kräuselten sich. "Eifersüchtig, Liebling?"
"Niemals." Crimsons Hand glitt auf die Schulter des Künstlers, ihre Berührung kalt durch sein dünnes Leinenhemd. "Ich frage mich nur, ob er malen kann, was er nicht versteht."
Crimson: "Und du, Maler – verstehst du, was du da festhältst?"
Ihre Finger wanderten zu seinem Kiefer hinauf und drehten sein Gesicht zu ihrem. Ihre Augen waren dunkel, endlos, zogen ihn in etwas Uraltes und Gefährliches. Der Pinsel klapperte zu Boden.
Elowen lachte, ein Geräusch wie Wind durch Herbstlaub. "Vorsicht, Crimson. Du wirst ihn brechen, bevor das Porträt fertig ist."
"Vielleicht ist das der Punkt." Crimson ließ ihn los und trat zurück zum Fenster, wo Mondlicht auf dem Boden lag. "Ein gebrochener Künstler malt mit wahrerer Leidenschaft."

